FFP-Pressemitteilung 7-2020

Erst Flucht - und dann Corona-Krise...

18. Jun 2020

Die Odyssee der Menschen der Flüchtlingsbewegungen ist (unerträglich) lang. Zum Weltflüchtlingstag (20. Juni) lenkt das FFP den Blick auf die herausfordernde Situation für Menschen mit Fluchterfahrung – die sich unter Corona weiter verschärft. Menschen, die gerade erst in neuen Ländern Fuß fassen, sehen sich erneut isoliert.

Ein Anliegen des Forschungszentrums Familienbewusste Personalpolitik (FFP) am Weltflüchtlingstag: den Blick noch genauer auf die sozial-emotionale und arbeitsalltägliche Situation von Menschen mit Fluchterfahrung zu richten. Nicht zuletzt auf die von geflüchteten Familien, bei denen unter Corona-Bedingungen Eltern auf einmal die Heimbeschulung ihrer Kinder in einer fremden Sprache, in einem unbekannten Schulsystem leisten sollen. Bei diesen Menschen schlagen die Corona-Beschränkungen vor allem in Hinsicht auf Erwerbstätigkeit, Integrationsmaßnahmen und auf die persönliche Situation noch stärker zu als bei den übrigen Mitbürgerinnen und Mitbürgern Deutschlands.

Erneute Isolation

Prof.in Dr.in Irene Gerlach, wissenschaftliche Leiterin des FFP: „Diese Familien wurden erst kürzlich entwurzelt, als sie ihre Heimat verließen. Sie sind seit relativ kurzer Zeit damit beschäftigt, sich an die Lebens- und Arbeitssituation in Deutschland zu gewöhnen. Auch für Familien, die zur Füchtlingsbewegung von 2015 gehörten, ist die Integration noch lange nicht abgeschlossen.“
Durch den Corona-Lockdown sind diese Menschen nun erneut zurückgeworfen worden: sowohl im Hinblick auf ihre berufliche Situation, die ja für alle Menschen in Deutschlands schlagartig erschwert wurde, als auch hinsichtlich ihrer sozialen Lage.

Vereinbarkeit und Frauenförderung als Ansatzpunkte

Ein wichtiger Ansatzpunkt, den das FFP in dieser Situation sieht, ist es, diesen Familien, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Integration in den Arbeitsmarkt und in die Betriebe so gut es geht, zu erleichtern. Arbeitgebende, die Beschäftigte mit Fluchterfahrung im Team haben, sollten die besondere Situation dieser Arbeitnehmenden besonders berücksichtigen.
Auch politisch wären passgenaue Maßnahmen, zum Beispiel in Form von zugehender Sozialarbeit, Patenschaften, frühkindlicher und schulischer Bildung sowie Integration und Teilhabe im Allgemeinen, für die Familien wünschenswert.

Ein weiteres Augenmerk brauchen die Frauen mit Fluchterfahrung. Professorin Gerlach: „Wir haben in den letzten Jahren für Deutschland gesehen, dass es vor allem die Frauen in den geflüchteten Familien sind, die die Fürsorge und Erziehungsaufgaben der Kinder übernehmen. Auch unter ‚Normalbedingungen‘ – ohne Corona – haben sie eine geringere Neigung ins Erwerbsleben einzusteigen als die zugewanderten Männer. Darauf hat unter anderem der wissenschaftliche Beirat für Familienfragen 2019 in einem Gutachten hingewiesen. Die Expertinnen und Experten empfehlen, arbeitsmarktpolitische Anreize für die geflüchteten Frauen zu schaffen. Sie würden eine langfristige, finanzielle Absicherung der Frauen und auch der Familien, eben durch Erwerbstätigkeit, bewirken.“
Dieses Ziel müsse nun noch stärker verfolgt werden, so Gerlach. Denn sonst bestehe die Gefahr, dass diese Gruppe Frauen in ihrer Rolle zementiert würde.
Es muss ein gesamtgesellschaftliches, nicht zuletzt wirtschaftliches Ziel sein, weiblichen Migrantinnen zu einer beruflichen Perspektive, einer langfristigen Absicherung und gesellschaftlicher Teilhabe zu verhelfen.

Fazit: Corona-Auswirkungen entschärfen - Integration forcieren

„Die geflüchteten Familien wurden erneut isoliert, was traumatisch sein kann und sozialpolitisch und -pädagogisch gut aufgearbeitet werden muss“, sagt Professorin Gerlach.
Ein wichtiges Ziel ist es laut FFP, dass sowohl Familienpolitik, Arbeitswelt und Arbeitsmarktpolitik diese Zielgruppe verstärkt in den Blick nehmen und passgenaue Maßnahmen entwickeln, um die Integration der Menschen weiter voranzutreiben und Rückschläge abzumildern.

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